Kostal Kontakt Systeme GmbH und Kostal Industrie Elektrik GmbH

Das Zahlenverhältnis sprach für sich: Im neuen Werk der Lüdenscheider Kostal-Gruppe in Hagen stehen 187 Produktionsmitarbeiter 29 Technikern und Konstrukteuren in der Entwicklungsabteilung gegenüber; weitere 43 Konstrukteure des Bereiches Kontakt Systeme haben ihren Arbeitsplatz nach wie vor in Lüdenscheid. Dass nur durch den intensiven Einsatz von technischer Intelligenz Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleiben, unterstrich Firmenchef Helmut Kostal, der die Wirtschaftsjunioren und den Wirtschaftskreis Lüdenscheid kürzlich zu einem Informationsbesuch in Hagen empfing. Der technische Leiter der Kostal Industrie Elektrik GmbH, Dr. Manfred Gerhard und Wolfgang Becker, Produktionsleiter für die Kostal Kontakt Systeme GmbH, führten die Gäste sowohl durch den Fertigungsbereich der Industrie Elektrik, in dem kleine Serien von 50 – 50.000 Stück produziert werden, als auch durch die hochautomatisierte Fertigungsstraße für Kontakt Systeme. 1,3 Milliarden hochwertige Steckverbindungen für die Automobilindustrie werden in Hagen jährlich gefertigt. Dazu kommen elektronische Regelsysteme für die Elektroindustrie – eine Sparte, die sich die Erfahrungen des Unternehmens in der Automobilelektronik für neue Anwendungen zu Nutze macht. Vom Boom der Solarenergie profitiert die Fertigung von Spannungsumformern und Wechselrichtern für Solarmodule, die den erzeugten Gleichstrom in netztauglichen Wechselstrom umwandeln.



Am Ende der Produktionsstrecken sorgt eine ausgefeilte Logistik dafür, dass die richtigen Teile beim richtigen Kunden ankommen. Falschetikettierungen würden von den Kunden sehr übel genommen, ergänzte der Firmenchef persönlich die Ausführungen seines Logistik-Leiters Volker Loewen.

Kostals einführender Vortrag über die Situation eines international tätigen Familienunternehmens mit einem Jahresumsatz von knapp 1,2 Milliarden Euro gab den Besuchern einen interessanten Einblick in weltwirtschaftliche Zwänge und Perspektiven. Den "Druck, auch an kostengünstigeren Standorten als Deutschland produzieren zu müssen" verdeutlichte Kostal anhand einiger aussagekräftiger Zahlen: Ein Montagearbeiter am Standort China verdiene etwa 2,50 Euro pro Stunde, etwa ein Zehntel der durchschnittlichen Kosten in Deutschland. In der Ukraine, wo Kostal gerade einen neuen Standort gründet, kostet eine Montagestunde gar nur 1,26 Euro. "Das sind Möglichkeiten direkt vor der Haustür, von denen man als Unternehmer weiß, dass die Mitbewerber sie nutzen werden."
Wie es denn um die Perspektiven auf dem russischen Automarkt stehe, lautete eine der Rückfragen an den Firmenchef: Der würdigte Russland als "Wachstumsmarkt", antwortete aber vor allem mit den gewaltigen Bevölkerungszahlen und dem neuen Reichtum in China und Indien. Nirgendwo würden so viele 7er BMWs verkauft wie in China. In Asien, wo die Automobilhersteller "schneller und profitabler wachsen" als anderswo, ist Kostal mit mehreren Niederlassungen präsent: "Zwölf Länder, drei Kontinente" lautet die derzeit gültige Kurzformel für das Welt-Familienunternehmen. Denn im Familienbesitz soll Kostal bleiben: "Entscheidungen aus einer Hand müssen jederzeit möglich sein", betonte der fast 62-jährige Firmenchef. Gegenüber den Wirtschaftsjunioren formulierte er auch sein persönliches Credo: "Wir wollen keine kurzfristig spektakulären Ergebnisse, sondern eine langfristige Perspektive, die es erlaubt, ertragreich zu sein."

Text und Fotos: Tom Krumm, Lüdenscheid

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